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Home / Aktuelle Texte / Wasserkraft auf Schwaebisch

Schwäbische Wasserkraft-Innovation

17% Mehrertrag aus Kleinwasserkraftanlagen:

Mehrere Tausend kleine Francis-Turbinen könnten Zig Megawattstunden mehr Strom produzieren / Ungenutztes Potenzial an CO2-freiem Strom

Warmisried, im Frühling 2007

Zig Millionen Kilowattstunden mehr Strom ließen sich in bestehenden Kleinstwasserkraftwerken mit Francis-Turbinen gewinnen: Allein innovative, verlustarme Antriebstechnik sei dafür notwendig, glaubt man zwei schwäbischen Unternehmern. Und Schwaben müssen’s ja wissen, denn die haben bekanntlich die Sparsamkeit gepachtet. Jedenfalls liefert ihr neues System über 17% mehr als ein Standardgenerator mit Riemenatrieb: Den betreiben sie parallel.

 

 

Das wechselrichtergesteuerte Umrichtersystem von ETGW. Oben links die Heizstrahler zur Widerstandsbremsung.

 

Gerhard Weiß und Manfred Guggenmos, Geschäftsführer der >ETGW Warmisried GmbH< empfehlen den Einsatz permanent erregter Synchrongeneratoren mit innovativer Umrichtertechnik zur Einspeisung des CO2-freien WKW-Stromes: Damit könnten die Turbinen wesentlich besser ausgenutzt werden, behaupten die beiden.

 

Und sie beweisen es an zwei alten, identischen Franzisturbinen eines ETGW gehörenden Kraftwerks im Allgäu; sammeln seit fast zwei Jahren Erfahrung und Messwerte. Eine Turbine wird konventionell mit Riemenantrieb, Schwungscheibe und Asynchrongenerator betrieben. Auf die Welle der anderen „Franzis“ haben sie ihre neu entwickelte Synchronmaschine direkt aufgesetzt. Die ist per Wechselrichter ans Stromnetz gekoppelt.

 

Bundesweit laufen ca. 2.000 kleinste Wasserkraftwerke (WKW) mit Francisturbinen. Jahresertrag: Gut 200.000.000 kWh. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts waren noch etliche Turbinen mehr in Betrieb: Niedrige Einspeisevergütungen für Strom aus Wasserkraft machten ihnen bis in die 1990er Jahre oft schon bei einer kleinen Reparatur aus wirtschaftlichen Gründen den Garaus.

 

Doch 1991 kam das Stromeinspeisegesetz; 2001 folgte das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Darin legte die Bundesregierung wesentlich höhere Mindestvergütungen fest, die durch Umlageverfahren auf alle Stromkunden aufgebracht werden: Für laufende Kleinst-WKW ist seither der Betrieb wieder wirtschaftlich; und auch für stillgelegte Anlagen kann die Wieder-Inbetriebnahme lukrativ sein.

 

17% mehr Strom gewinnt ETGW mit der neuen Technik. Rechnet man das auf die 2.000 bestehenden Franzis-WKW hoch, könnten insgesamt über 30 Mio kWh mehr Strom pro Jahr produziert werden, ohne sonstige Wasserbaumaßnahmen. Das Potenzial der Wasserkraft in Deutschland ist wohl doch noch nicht ausgeschöpft.

 

Vom Bayerischen Wirtschafts- und Technologieminister Erwin Huber wurden Weiß und Guggenmos im vergangenen Jahr ausgezeichnet: Für die „zur Erhöhung des Wirkungsgrades notwendige technische Innovation“ erhielten sie im Rahmen des „Bayerischen Energiepreises 2006“ eine Anerkennung und 1500 Euro. Die beiden Preisträger haben ihre Arbeit gut aufgeteilt: Gerhard Weiß als Elektroniker hat die Technik entwickelt, Manfred Guggenmos als Elektroinstallateur hat sie eingebaut, und betreut die Anlage.

 

In der Vergangenheit scheiterte der Ersatz von Riemenantrieben oder Getrieben schlicht an den Kosten. Doch „wir haben nun Wechselrichter (WR) gefunden, die preislich und von der Verfügbarkeit passen“, erklärt ETGW-Chef Gerhard Weiß, warum seine Firma ausgerechnet jetzt durchstartet: Massenproduktion kleiner WR der Photovoltaik-Industrie habe auch ihnen geholfen.

 

„Es wird speziell dann interessant, wenn Sie einen neuen Generator brauchen“, das WKW also sanierungsbedürftig sei, erläutert Gerhard Weiß und gibt zu: „Nur wegen einer Leistungserhöhung ist der Umbau nicht sinnvoll.“ Denn mit Mehrkosten von „fünf- bis achttausend Euro“ sei schon zu rechnen für die elektronische Antriebstechnik.

 

Aber gerade auch bei Platz- oder Geräuschproblemen könnte die kleinere und leisere Technik helfen, weiß Weiß zu berichten: „In einer Einliegerwohnung möchte man kein Riemengeknatter.“ Fakt sei jedenfalls: „Es geht überall, wo eine Turbine hängt und eine Welle rauskommt, und ungefähr 100 UpM schnell dreht“, erklärt Guggenmos.

 

Die Warmisrieder schätzen die Amortisationszeit für ihre Technik auf fünf bis sieben Jahre: Bei 8.000 Volllaststunden einer 15-kW-Franzisturbine ergebe der 17% höhere Stromertrag Mehreinnahmen von ca. 1.500 Euro jährlich, rechnet Gerhard Weiß die geplanten Mehrkosten gegen. Doch bisher existiert nur besagtes Projekt am Firmengelände. Bevor sie Kunden beliefern, solle die Technik keinerlei Probleme mehr bereiten, erläutert Weiß’ Kollege Manfred Guggenmos die Zurückhaltung: „Wir wollen, dass alles sehr stabil mit Kühlung und Leistung läuft.“

 

(c) 2007 Heinz Wraneschitz bildtext.de

 

Info:

www.etgw-warmisried.de

www.elektro-guggenmos.de

Der Wassereinlauf für die beiden identischen Turbinen 

Achja: Da waren ja auch noch die Alpakas...

 


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